Tembela Toto Kiesa
STUDIO VISIT
Zwischen freier und kommerzieller Fotografie
Tembela ist ein deutscher Designer und Porträtfotograf mit Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen. Seine Arbeit konzentriert sich auf zwischenmenschliche Beziehungen, wobei er unverfälschte Emotionen und starke Persönlichkeiten einfängt. Mit lebendigen Farben und einer intimen, direkten Bildsprache hebt er die Essenz schwarzer Kultur hervor. Zugleich trägt seine fotografische Praxis eine klare politische Haltung: Er setzt sich visuell mit Fragen von Identität, Repräsentation, Machtstrukturen und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander. In seinen dokumentarischen Arbeiten begleitet und porträtiert er Menschen und Gemeinschaften mit einem sensiblen, respektvollen Blick und schafft authentische visuelle Narrative, die soziale Realitäten sichtbar machen. Er steht für Porträt-, Werbe-, redaktionelle sowie dokumentarische Projekte in Deutschland und international zur Verfügung.
"Hi. Mein Name ist Tembela Toto Kiesa. Ich bin 32 Jahre alt, bin Kommunikationsdesigner mit dem Schwerpunkt Fotografie und Illustration. Meine ganze kommerzielle Arbeit bewegt sich eher in der Modebranche, und ich interessiere mich aber auch gleichzeitig für Dokumentation und freie Kunst. Ich bin ein Mensch, der sehr gerne Schnappschüsse macht, das Leben einfach einfängt. Ich setze die Menschen in den Fokus, und vor allem die Identitäten. Religion und politische Aspekte sind mir wichtig.
Die Fotos in meiner fortlaufenden freien, dokumentarischen Arbeit habe ich gemacht, als ich im Kongo war. Das war das erste Mal für mich als Diaspora-Kind, dass ich im Kongo war – und das waren quasi meine ersten Eindrücke. Und ich will zukünftig zeigen, was meine nächsten Eindrücke sein werden, wenn ich wieder im Kongo bin. Ich habe ihn am Anfang sehr viel nur online gesehen, bei meinen eigenen Recherchen, die ich gemacht habe: „Was ist der Kongo?“ – so ganz banale Sachen. Aber jetzt ist es eher: „Was ist der Kongo für mich?“ und nicht das, was der Kongo auf Google ist."
"Dadurch, dass ich selber Schwarz bin, habe ich sehr viel mit Rassismus oder mit Alltagsrassismus zu kämpfen. Und ich habe das Gefühl, dass viele uns oft nicht so sehen, wie wir gesehen werden wollen. Deswegen arbeite ich viel mit schwarzen Künstlern oder generell mit Leuten aus anderen Diasporas zusammen. Auch wenn ich oft ein Bild habe, in welches Licht ich sie rücken möchte, frage ich auch danach, wie sie selbst in Szene gesetzt werden wollen. Das ist dann meistens ein Austausch. Das ist so ein Pingpong.
Ich liebe es, mich zu kleiden, ich mag Klamotten. Im Kongo gibt es sogenannte „Sapeurs“. Das sind Leute, die besonderen Wert auf Kleidung legen. Das ist so eine Subkultur im Kongo. Klamotten sind für mich eine Art von Expression, und deswegen interessiere ich mich so sehr für die Branche.
Wenn man ein Bild rein kommerziell nehmen würde, dann hat es keine Bedeutung. Aber sobald man mit dem Menschen über gewisse Sachen gesprochen hat, sobald man Fragen stellt, sobald man sich für etwas Tieferes interessiert, kommt die Tiefe automatisch. Die meisten Sachen haben Tiefe, sie sind nicht einfach nur oberflächlich. Und ich glaube, das ist der Grund, warum sich bei mir alles überschneidet – ob es kommerziell ist oder nicht – weil ich allem immer Bedeutung geben möchte."
"Ich arbeite zur Zeit an einer Serie, in der ich versuche, die Spiritualität ein bisschen zu erkunden. Ich versuche, eine Brücke zu schaffen von dem, was es früher gab, zu dem, was es heute gibt – und was man mitgenommen hat. Genau daran arbeite ich gerade."
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Köln bietet durch seine Museums-, Galerie- und Kunstraumlandschaft ein weites Feld der Fotografie. Natürlich gibt es hier auch eine entsprechend große und vielfältige Künstler:innenszene, die mit dem Medium arbeitet und experimentiert. In unserer neuen Rubrik der Studio Visits möchten wir Euch künstlerische Positionen vorstellen und Euch mitnehmen an die Produktions- und Denkräume der Kunst. Viel Spaß!