Teilnehmende Künstler*innen

Call for local artists - Zwischen Ausstellung und Atelier

Alina Cherubin (sie/ihr)

Artist statement

In meiner fotografischen Arbeit untersuche ich zwischenmenschliche Verbindungen, Identität und Weiblichkeit. Ich arbeite überwiegend analog, da der verlangsamte Prozess eine bewusstere Auseinandersetzung mit dem Moment ermöglicht und Präsenz schafft. Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist das fortlaufende Porträtprojekt »Touch Me«, in dem ich Menschen in ihren privaten Räumen fotografiere. Durch Reisen fließen unterschiedliche kulturelle Perspektiven ein und formen ein vielschichtiges Bild von Identität und Weiblichkeit.

Arbeitsumstände

Zurzeit arbeite ich überwiegend von zu Hause aus und meine Fotos entstehen auf Reisen. Ein eigenes Studio habe ich aktuell nicht, weshalb sich meine Arbeit stark im privaten Raum entwickelt. Umso spannender finde ich es, meine künstlerische Praxis in Ausstellungen sichtbar zu machen und sie außerhalb der eigenen vier Wände zu reflektieren und zu präsentieren.

Ich sehe in den Studio Visits eine wertvolle Chance, meine aktuelle Arbeit vorzustellen und neue Impulse für die Weiterentwicklung meiner fotografischen Projekte zu erhalten.

Work-In-Progress

In »Touch me (work in progress)« zeige ich den Prozess hinter meinem Porträtprojekt »Touch Me«. Schriftstücke, Konversationen und Reiseerinnerungen öffnen einen Blick hinter die Kulissen. Statt die privaten Räume anderer zu betreten, öffne ich erstmals meinen eigenen Raum.

Einzelne Fragmente lassen den Abstand zwischen mir und meinen Subjekten kleiner werden. Zwischenmenschliche Verbindung entsteht nicht nur im Moment der Begegnung, sondern auch davor und danach – diesen erweiterten Raum mache ich sichtbar.

Aslı Özçelik (sie/ihr)

Artist statement

Meine künstlerische Arbeit beschäftigt sich vor allem mit Familie, Arbeit, Care-Arbeit, Migration und der Frage, wie sich gesellschaftliche Strukturen emotional und körperlich in Menschen einschreiben. Ausgangspunkt sind häufig autobiografische Erfahrungen, Familienarchive oder persönliche Begegnungen. Dabei interessiert mich besonders, welche Geschichten sichtbar werden und welche unsichtbar bleiben. Ich arbeite medienübergreifend mit Fotografie, Textil, Film und Installation und verstehe Bilder als etwas, das verändert, bearbeitet und weitergedacht werden kann.

Work-In-Progress

»Sıhhatler Olsun« ist ein Fotobuch, das sich liebevoll mit der Lebensgeschichte meiner Mutter auseinandersetzt, die mit 20 Jahren als Gastarbeiterin aus einem kleinen Dorf im Nordosten der Türkei nach Deutschland ausgewanderte. Ausgangspunkt der Arbeit war ein gemeinsamer Monat während der Pandemie, in dem ich begann, sie zu fotografieren und ihre Geschichte über Bilder, Gespräche und Familienarchive neu kennenzulernen. Die Arbeit beschäftigt sich mit Migration, weiblicher Unsichtbarkeit, Care, familiärer Nähe und der Frage nach Zugehörigkeit.

Brigitte Dunkel (sie/ihr)

Artist statement

Meine Kunstprojekte sind installativ angelegt und können performative Anteile aufweisen – der Begriff Cross-Media bezeichnet diese Praxis sehr gut. Fotografie ist eine wesentliche Technik des breit aufgestellten Medienspektrums im Kontext meiner Ausstellungpräsentationen, die räumliche Inszenierungen auf der Basis experimenteller Materialauswahl oft in ortspezifischer Weise themenbezogen umsetzen. Mir liegt daran, potenzielle Rezipient*innen aktiv einzubinden in die so entstehenden Orte, um eine sinnliche Erfahrung zu ermöglichen und überhebliche Distanzen zu vermeiden.

Work-In-Progress

»THE FACE« ist Teil meines digitalen Mobile Photography Projects »THIS IS NOT« und wurde zuerst 2021 als Detailarbeit der Installation »POLE POSITIONS« während des Photoszene Festivals gezeigt, installiert in einem Türrahmen des Kinoraumes der Alten Feuerwache in Köln. Obwohl es sich um ein Selbstportrait (Selfie) handelt, geht es in der Fotoarbeit wenigert um mich selbst als Person, sondern eher um das „Medium“ als Vermittler. Meine Arbeiten sind häufig „Work-in-Progress“, das heißt, sie können sich formal und inhaltlich verändern.

»THE FACE« wird aktuell zu einer Lightbox transformiert, zu sehen vom 05. bis 27.09.2026 in der Einzelausstellung »Looking like a DAMSEL in Distress« in Kooperation mit 674fm Radio und Konzertlocation in Köln.

Bo Bungarten (dey/deren)

Artist statement

In meiner fotografischen Arbeit beschäftige ich mich besonders mit persönlichen Innenwelten und meiner eigenen Identitätsfindung. Dabei stehen oft queere und trans* Perspektiven sowie mentale Gesundheit im Vordergrund. Zusätzlich verbinde ich in meiner Arbeit gerne Fotografie mit eher grafischen Arbeiten und erzeuge so neue Welten.

Arbeitsumstände

Hauptsächlich arbeite ich von zu Hause aus und baue mir unter meinem Hochbett in meiner 30qm-Wohnung ein kleines Studio auf. Für größere und aufwändigere Projekte konnte ich bis vor kurzem das Fotostudio meiner Uni nutzen, was seit meinem Abschluss leider nicht mehr möglich ist.

Die Studio Visits würden mir die Möglichkeit bieten, meine Arbeit mit anderen Kreativen zu teilen und einen Austausch zu ermöglichen.

Work-In-Progress

Die Serie »NO BEFORE« versteht Vergangenheit nicht als abgeschlossenen Zustand, sondern als aktiven Teil eines fortlaufenden Prozesses. Wer wir waren, wer wir sind und wer wir werden wollen, lässt sich nicht trennen. Identität entsteht im Dazwischen. Die Arbeit ist eine autobiografische Serie, die innere Welten sichtbar macht. Im Mittelpunkt stehen Queerness, Trans-Identität, Verletzlichkeit und Selbstbehauptung. Der Körper fungiert dabei als Träger und Ausdruck von Veränderung und innerem Wandel.

Caroline Weyers (sie/ihr)

Artist statement

Ich nutze Fotografie auf unterschiedliche Weise und interessiere mich zunehmend für ihre performativen Qualitäten, die ich durch installative Elemente erweitere. Im Zentrum meiner Arbeit stehen Perspektiven auf Krankheit, insbesondere in Bezug auf weiblich gelesene und queere Körper.

Medizinische Diskurse prägen meine Arbeit ebenso wie die Auseinandersetzung mit Archiven, die ich nutze, um historische und gesellschaftliche Prozesse sichtbar zu machen.

Arbeitsumstände

Derzeit arbeite ich vor allem aus meiner Zwei-Zimmerwohnung heraus. Mein Esstisch dient zugleich als Werk- und Arbeitsplatz, wodurch räumliche Möglichkeiten begrenzt sind. Studium und Freizeit greifen oft ineinander, da kreative Prozesse über die Hochschule hinaus stattfinden. Zeitdruck, finanzielle Unsicherheit, hohe persönliche Ansprüche und der Umgang mit eigener Krankheit prägen meinen Arbeitsalltag. Prozesse und Denkbewegungen neben fertigen Werken zu reflektieren interessiert mich besonders.

Work-In-Progress

»Rites des passage« lautet der Arbeitstitel. In letzter Zeit habe ich das Archiv als Verhandlungsraum entdeckt, um historische Prozesse und blinde Flecken kollektiver Erinnerung zu reflektieren. Mich interessieren besonders Leerstellen und die Frage, welche Geschichten sichtbar werden und welche fehlen. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Bildern von Frauen*bewegungen und weiblich geprägten Formen von Sorge-, Netzwerk- und Organisationsarbeit, die in historischen Bildüberlieferungen häufig unsichtbar bleiben.

D. M. Terblanche (alle)

Artist statement

My work focuses on narrative documentary and portrait photography. For me, the portrait is an intimate space for self-reflection and engaging with my past. Photography is both personal and political to me. I explore queer identities and the unease that follows a late diagnosis of autism. In my work, I transform vulnerability into images that hover between contemplation and distortion. My influences include Nan Goldin, Ren Hang, and Jo Ractliffe.

Working Conditions

I am a local artist based in Cologne. I would like to participate in this program and present my work. I have been working with photography for more than nine years, with a focus on analog processes. I work autonomously and, as a disabled artist, with the materials available to me. This has evolved into a continuous practice that uses layers, textures, and self-portraits as an accessible form.

Work in Progress

»Housebound« is a performance piece that invites viewers into the inner workings of my self-portraiture process. It begins with photographs taken during the exhibition opening and continues with the editing of those images. In my early years, I taught myself photography while my access to the outside world was severely limited and I worked primarily from my bedroom. Under these conditions, the self-portrait initially became a form of reality check and a way to confirm to myself that I exist and possess agency.

Dániel Dömölky (er/ihm)

Artist Statement

Meine Fotografie ist intuitiv, baut jedoch auf konzeptuellen Strukturen auf, die in letzter Zeit zwei zentrale Themen untersuchen: Zum einen darauf, die Wahrnehmung des Betrachters zu verschieben, indem es die verborgenen Schichten unserer gebauten Umwelt abstrahiert und die oft unbemerkt bleiben. Das zweite Thema erforscht Körper, Geist und Natur in ihren rohen, unmittelbaren Zuständen – in, vor oder nach dem digitalen Zeitalter. Diese Untersuchungen entspringen dem radikalen Verschwinden der einfacheren, natürlichen Welt, in der ich aufgewachsen bin, sowie der Absurdität des Versuchs, einer Welt einen Sinn abzugewinnen, die zunehmend schwer fassbar geworden ist.

Arbeitsbedingungen

Wir sind kürzlich mit meiner Familie nach Köln umgezogen. Ich befand mich in einer neuen Stadt, einem schwer zu durchschauenden Netz, das man zwar nach und nach erkunden konnte, doch Zeit ist kostbar, und mit 20 Jahren Erfahrung in der Architektur-, Theater- und Kunstdokumentationsfotografie ist mir wichtig, in Austausch zu kommen, eine kreative Gemeinschaft zu finden, Feedback zu erhalten und so schneller Fuß zu fassen. Außerdem ist dies eine gute Gelegenheit, wieder fokussierte Zeit und Raum für das Schaffen zu gewinnen, meine Neugier und Offenheit für die Fotografie neu zu entdecken.

Work-in-Progress

Das Projekt »Under the Moon« entspringt meiner Suche nach einer natürlichen, nicht digitalisierten Lebensweise. Meine nächtlichen Spaziergänge führten zu der Entdeckung, unter dem gewaltigen Licht des Vollmonds ganz mit mir selbst allein zu sein – eine Erfahrung der Ruhe in diesem unheimlichen Zustand der Welt. Ich lud Freunde ein, mich zu begleiten, und versuchte, sowohl die Handlung selbst als auch die Umgebung aus der Perspektive eines natürlichen Verweilens in dieser rauen Umgebung einzufangen, um (Mond-)Licht auf die Zerbrechlichkeit und Einsamkeit unserer überschätzten menschlichen Existenz zu werfen.

Galina Orlenko (sie/ihr)

Artist statement

Ich beschäftige mich mit Identität, emotionaler Spannung und den feinen Formen von Sichtbarkeit und Selbstausdruck in der heutigen Gesellschaft. Mich interessiert, wie Emotionen unterdrückt oder „bearbeitet“ werden und wie sich diese Prozesse in Haltung, Gestik und Wiederholung zeigen. Mit digitaler Collage, Fotografie und Zeichnung überführe ich Bilder in Drucke, Objekte und Installationen. Reduzierte Kompositionen und Farbpaletten verleihen emotionalen Verschiebungen psychologische Tiefe.

Arbeitsbedingungen

Ich wollte seit mehreren Jahren am Photoszene-Festival teilnehmen, weil ich es als eine seltene Möglichkeit für Dialog, Reflexion und echten künstlerischen Austausch sehe. Im Moment habe ich kein eigenes Atelier und arbeite von zu Hause aus, was oft bedeutet, unter temporären und begrenzten Bedingungen zu arbeiten statt in einem dafür vorgesehenen Raum. Ich habe bereits an mehreren Ausstellungen teilgenommen, hatte jedoch bisher nie die Möglichkeit, meine Arbeiten in der Stadt zu zeigen, in der ich lebe, in Köln. Außerdem hatte ich bisher nie die Gelegenheit, meine Arbeit im Kontext eines Ateliers oder innerhalb eines aktiven Arbeitsumfelds zu präsentieren und darüber in Austausch zu treten. Für mich wäre dies nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch ein wichtiger Schritt, um meine künstlerische Praxis weiterzuentwickeln und stärker in der lokalen Kunstszene verwurzelt zu werden.

Work-In-Progress

Arbeitstitel: »Undo«. Undo ist eine Mixed-Media-Installation über Wiederholung, Spuren und fragmentierte Zustände von Erinnerung. Eine vertikale Folge wiederholter »Undo«-Befehle bildet ein Rückgrat, das Zeichnungen, Collagen und Bildfragmente miteinander verbindet. Die Arbeit beschäftigt sich mit Prozessen des Korrigierens, Zurücknehmens und Überarbeitens sowie mit der Unmöglichkeit, gelebte Erfahrungen vollständig rückgängig zu machen. Sie verbindet physische Collageprozesse mit digitalen Spuren und schafft einen Raum zwischen Archiv, Körper und Erinnerung.

Jana Bauch (sie/ihr)

Artist statement

In meinen freien fotografischen Projekten habe ich mich bislang meist mit Aktivismus und Protestbewegung befasst. Ausgangspunkt hierfür waren die Räumungen im Hambacher Forst. Anschließend habe ich die Klimagerechtigkeitsbewegung in Lützerath über 2 Jahre lang begleitet. Mit meiner Arbeit möchte ich Einblicke in diverse Lebensrealitäten und -entwürfe geben und Zugänglichkeit schaffen, um Stigmatisierung entgegenzuwirken. Neben der Portrait- und Dokumentarfotografie sind Text und Film ebenfalls Teil meiner Arbeit.

Work-In-Progress

»Divine - a collaboration with S3Xworkers of Cologne«

Die S3Xworkers of Cologne sind ein aktivistisches Kollektiv und eine solidarische Plattform für Support, Austausch und Vernetzung sowie Empowerment S3Xarbeitender. Ihr Grundverständnis ist intersektional und queerfeministisch. Sie fordern Entkriminalisierung ihres Berufs und setzen sich gegen den Gesetzesentwurf des sogenannten „nordischen Modells“ (S3Xkaufverbot) ein. Sie kämpfen gegen Stigmatisierung und Diskriminierung und möchten durch Bildungsarbeit und Performance aufklären.

So habe ich sie im letzten Jahr auf einem FLINTA* Musik und Kunst-Festival kennengelernt. Hier entstand die Idee gemeinsam an einem spicy Soli-Foto-Kalender zu arbeiten, der ihre S3Xarbeit als auch Körper queerer und Transpersonen in der S3Xarbeit sichtbarer machen soll. Die Portraits befassen sich mit kinky-, aber auch mit politischen Themen wie der Neu-Interpretation kirchlich-ritueller Bräuche, von denen queere und s3xarbeitende Personen lange und oft ausgeschlossen und angegriffen wurden und werden.

Jolie Zhilei Zhou (sie/ihr)

Artist Statement

Ich arbeite mit Fotografie, Text und Künstlerbüchern. Meine künstlerische Arbeit ist im Alltag verwurzelt und konstruiert Gedankengänge aus gesammelten Fragmenten alltäglicher visueller und sprachlicher Elemente. In der Fotografie geht es mir darum, wie ich mich emotional mit dieser Welt verbinde, und im Schreiben darum, wie ich den Fluss der Beziehungen in der Welt beobachte. Oft stelle ich diese beiden Elemente einander gegenüber, um sie in neue Räume zu verwandeln. Dabei erkunde alternative Wege, den Alltag wahrzunehmen und neu zu konstruieren, um die Ideologie aufzudecken, in der ich lebe.

Arbeitsbedingungen

Manchmal denke ich, vielleicht fotografiere ich, weil ich zu viel Angst davor habe, Dinge zu bewegen – es scheint einfacher zu sein, sie zu verschieben. Tatsächlich stimmt das aber nicht. Als Künstlerin, die sich mehr auf die Materialität der Fotografie konzentriert, habe ich viele physische experimentelle Arbeiten in meinem WG-Zimmer und um meinen Arbeitstisch an der Kunsthochschule für Medien Köln herum angehäuft. Ich brauche Räume, um Fotopaare aufzuhängen und verschiedene Papiersorten aufzubewahren. Ein physischer Raum ist ein wichtiger Denkraum, um meine Gedanken zu vertiefen und zu prüfen, ob die emotionalen Verbindungen der Arbeiten funktionieren. Ich hoffe, dass dieser unsichtbare Teil des Fotografendaseins sichtbar wird.

Work-In-Progress

»I Vomited A Bird« lautet der Arbeitstitel. Ich liebe es, allein durch meine Nachbarschaft zu schlendern und dabei die Gärten meiner Nachbarn und die Pflanzen auf den Gehwegen zu beobachten. Vor zwei Jahren begann ich, sie zu fotografieren, hauptsächlich in Köln. Diese Serie enthält nur die Fotos, die ich mit meiner Kompaktkamera aufgenommen habe, meist nachts. Die Formen von Leben und Tod stehen in dieser Serie im Mittelpunkt. Oft vermischen sie sich in einer einzigen Szene. Eine Zeit lang habe ich mich gefragt, ob ich in die Privatsphäre anderer Menschen eindringe, wenn ich „ihre“ Pflanzen fotografiere; doch dann taucht eine andere Frage auf: Gehört das Leben der Pflanzen wirklich jemandem?

Marijana Croon (sie/ihr)

Artist Statement

Mich interessiert die Poesie des Alltags, in der sich kleine Begebenheiten zu einer intensiven Präsenz verdichten. Ich verfolge stille, emotionsgeladene Situationen, die losgelöst von einer bestimmten Zeit zu sein scheinen. Bei meiner Arbeit mit Filmmaterial verlasse ich mich auf einen unvoreingenommenen Blick und die Chemie des Mediums, um jene flüchtigen, unerwarteten Verschiebungen in der Realität sichtbar zu machen.

Arbeitsbedingungen

Ich wollte mich schon immer stärker in der lokalen Fotoszene engagieren. Ich komme ursprünglich aus Belgrad, einer pulsierenden und historisch turbulenten Stadt, und bin nach Köln gezogen, um als Wissenschaftler zu arbeiten. Neben meiner wissenschaftlichen Tätigkeit baute ich mir eine eigene Dunkelkammer auf, einen Raum, in dem ich begann, mit analoger Fotografie zu experimentieren. In meinem eigenen abgeschotteten Bunker der Möglichkeiten genoss ich es, über all die Orte nachzudenken, an denen die Fotos entstanden waren, und ein Konzept für ein Buch zu entwerfen, das nie realisiert wurde.

Work-In-Progress

»The everyday, undelivered« lautet der Arbeitstitel. Früher arbeitete ich mit kleinen analogen Abzügen in einer Dunkelkammer, die es heute nicht mehr gibt. Dieser Raum lebt nun in diesen Abzügen weiter, die wie ungeschriebene Postkarten wirken. Jedes Bild ist ein kurzes Zögern in der Alltagszeit, ohne Absender oder Empfänger. Zwischen Korn, Chemie und vorbeiziehenden Gestalten lösen sich die Szenen von der Realität und verwandeln sich in halb vergessene Fiktionen, wobei nur die Spur eines Briefes zurückbleibt, der nie ganz ankommt.

Paulina Akbay (alle)

Artist statement

Meine künstlerische Arbeit hat keinen thematischen Schwerpunkt. Ich beschäftige mich mit vielen Themen, unter anderem mit marginalisierten Perspektiven, Gefühlen und Emotionen, aber auch mit großen, übergeordneten gesellschaftlichen Problemen wie der Umweltkrise. Mein subjektiv situierter Blick und mein medienübergreifender Fokus versuchen, sich mit dem Zeitgeist zu befassen und gleichzeitig die Zukunft (ohne die Vergangenheit und Gegenwart zu negieren) im Hier und Jetzt erfahrbar zu machen. Dies geschieht vor allem durch Fotografie und Film, wird jedoch ergänzt durch weitere Medien und Methoden, angepasst an die jeweilige Situation.

Arbeitsumstände

Ich habe nur eine kleine Wohnung (28 qm) und einen an der Uni zeitlich begrenzten kleinen Arbeitsplatz, an dem ich nicht alle Arbeiten umsetzen kann. Die Uni und ihre Räumlichkeiten sind daher essentiell für mich, um arbeiten zu können.

Gerne hätte ich die Möglichkeit, meine Arbeiten in einem anderen Rahmen zu zeigen. Da an der KHM Arbeitsplätze begrenzt sind und ich thematisch nicht unbedingt an diesen gebunden bin, kann es sein, dass ich meinen Arbeitsplatz im Sommer verliere.

Work-In-Progress

»Ruhsal« bedeutet ‘spirituell’ auf Türkisch und befasst sich mit verschiedenen Themen rund um kulturelle Praktiken, Care, Identität und kulturelle Zugehörigkeit. Im Zentrum stehen unter anderem der Gang zum Hamam, der weibliche Körper, Familienverhältnisse sowie die Sehnsucht, dazuzugehören.

Das Material wurde auf 16mm gedreht und entstand krankeitsbedingt im Abstand von drei Jahren. Aktuell schreibe ich ergänzend an einen persönlichen Text für das Voice-Over und arbeite gemeinsam mit einer Mitstudierenden am Sounddesign.
Die Arbeit soll im Herbst fertiggestellt und bei Festivals eingereicht werden.

Pi (dey/er)

Artist statement

Meine Arbeiten spiegeln wider, was in mir selbst vorgeht, selbst wenn ich das beim Fotografieren noch gar nicht weiß. Rückblickend merke ich oft, dass ich mich mit etwas beschäftigt habe, gerade weil es mich bewegt hat. Eigentlich suche ich in meinen Arbeiten auch immer nach mir Selbst. Es geht um queer sein und sich zu trauen. Weitermachen, obwohl ich nicht wusste, wo ich eigentlich stehe und wer ich bin. Mein Wissen in Psychologie und Sozialpsychologie hilft diese inneren Prozesse in Bilder umzuwandeln. Ich bin queer und trans, und ich glaube, ich weiß das auch, weil ich fotografiere.


Arbeitsumstände

Ich habe die Fotografie für mich widerentdeckt, als mir klar war, dass weder angestrebter Beruf, noch Stadt, noch Lebensentwurf zu mir passen. Ich schlage mich so durch in meinem WG-Zimmer und mittlerweile ist Köln, meine Freund*innen und das Kino, in dem ich arbeite, der erste Ort in meinem Leben, an dem ich angekommen bin. Bei Studio Visits mitzumachen bedeutet hier in Köln, wo all das entstanden ist, meinen Arbeiten Raum zu geben und damit auch meinen Themen. Das ist mir aus eigenen finanziellen Ressourcen nicht möglich.

Work-In-Progress

Ich hab keine Lust mehr, immer drüber nachzudenken, wer ich sein darf, ich will einfach sein. IM FLUSS (2026) erzählt vom Eintauchen in Männlichkeit und davon, wie schmerzhaft es war, all die Jahre zu zweifeln, nicht bei sich zu sein. Im Wasser wird alles leichter, aber keine Ahnung, wo oben und unten ist. Wer bin ich in einer Welt voller männlicher Aggression, Krieg, Gewalt, Über- und Unterlegenheit? Ich will ja Mann sein, irgendwie – aber trotzdem mit soft skills, verletzlich, mit Freund*innen kuschelnd. Sehne mich nach Zärtlichkeit, in die Augen schauend. Wünsche mir das für alle.

Smiki (er/ihn)

Artist statement

Meine Film-Fotografie besteht hauptsächlich aus Momentaufnahmen kultureller

Produktionen und Veranstaltungen, gehostet von Heavy Feelings. Von Konzerten und DJ-Gigs bis zu Videoproduktionen, und dem ein oder anderen Product-shoot für Heavy Feelings-Merch. Die meisten fotografischen Beiträge von Heavy Feelings der letzten zwei Jahre sind durch meine Kamera entstanden. Dokumentation war bis jetzt mein Fokus, aber ich habe großes Interesse daran, zukünftig auch mehr Editorials zu shooten und zu directen.


Arbeitsumstände

Meine jetzigen Arbeitsumstände hängen meistens von externen Locations ab und fordern, dass ich mich anpasse. Zuhause arbeite ich kaum fotografisch, bis auf ein Selbstporträt hier und da. Meine Arbeit basierte bisher immer auf "I do what I can, with what I got." Sei es die erste Film-Kamera aus den 80ern mit kaputtem Fokus, die ich auf dem Dachboden meiner Oma gefunden habe oder KVB-Mitarbeiter, die einen nach einer Dreh-Genehmigung fragen. Es ist immer “me and my point & shoot“ versus Umstände.

Work-In-Progress

Diese Bilder sind das Ergebnis eines von mir unterschätzten Prozesses des Sichtens und Durchdringens meines Archivs von rund zweitausend analogen Fotografien der vergangenen zweieinhalb Jahre. Bei der Auswahl habe ich versucht, verschiedene Aspekte miteinander in Einklang zu bringen: Intention und Empfinden, ästhetisches Interesse ebenso wie die Frage danach, wie ich mich selbst, als Künstler und als Mensch, darin wiederfinde.

Als die Auswahl stand, ist mir klar geworden, dass wir letztlich die Summe der Menschen sind, mit denen wir uns umgeben.

Abgebildete Personen: Parissa Charghi, Tano Jackson, DieOttos, Mina Amiri, Gabio und Mini Phaenet, Bethlehem Ackerbauer

Svenja Delaney (sie/ihr)

Artist Statement

Ich beobachte sehr gern und fotografiere meine Umwelt so, wie sie mir draußen authentisch begegnet. Ich arbeite vorwiegend analog im Klein- und Mittelformat. Damit lassen sich sowohl flüchtige, spontane Momente als auch Szenen festhalten, auf die man erst warten muss. Für mich ist die Alltäglichkeit selbst schon Kunst. Ich sehe überall kleine Formen von Schönheit im normalen Leben und so versuche ich auch die Welt festzuhalten: ohne großes Inszenieren, sondern so, wie sie passiert. An der analogen Fotografie mag ich besonders, dass sie sich nur begrenzt kontrollieren lässt und es immer eine Überraschung gibt.

Arbeitsbedingungen

Meine fotografische Praxis findet zwar hauptsächlich draußen statt, doch die Entwicklung, Auswahl, Weiterverarbeitung und künstlerische Experimente brauchen Raum. Umso wichtiger sind meiner Meinung nach verfügbare Atelier- und Arbeitsstrukturen, in denen Räume und Infrastruktur ebenso geteilt werden können und ein Austausch möglich ist.

Work-In-Progress

Die gezeigten Fotografien sind in den letzten vier Jahren entstanden. Einige versuchen, flüchtige Augenblicke spontan einzufangen. Andere sind näher, ruhiger und aus einem längeren Warten heraus entstanden. Mich interessiert, was sich im Dazwischen zeigt – in unscheinbaren Situationen, beiläufigen Gesten oder kurzen Lichtverhältnissen. Die Bilder folgen keiner Inszenierung, sondern dem, was sich ergibt, wenn man aufmerksam bleibt.

van Lorenz (er/ihn)

Artist statement

In meiner Arbeit suche ich nach Momenten jenseits des Offensichtlichen. Statt spektakulärer Orte oder klarer Ereignisse konzentriere ich mich auf übersehene Details des Alltags und die stille Schönheit urbaner Räume. In einer Welt visueller Reizüberflutung setzen meine Fotografien auf Reduktion, Ruhe und klare Strukturen. Die Straße begreife ich weniger als Lifestyle, sondern als psychologischen Raum. Meine Motive sind dabei nicht nur Abbild, sondern Einladung – zum Innehalten, Beobachten und Wiederentdecken.

Arbeitsumstände

Im Wohnzimmer zwischen Rahmen und Großprints fehlt mir nicht nur Platz an der Wand, sondern zunehmend auch die Möglichkeit, den Überblick über meine Fotografien zu bewahren. Für mich beginnen Bilder erst durch den Druck wirklich zu leben. Anders als im Digitalen verlangt ein großer Fine-Art-Print eine bewusste Entscheidung: die Auswahl eines Motivs, die intensive Auseinandersetzung damit und schließlich auch den Raum, den es benötigt, um wirken zu können. Damit genau diese Wirkung bestmöglich entstehen kann, habe ich begonnen, meine Rahmen selbst zu bauen.

Work-In-Progress

»Of Gray and Green« lautet der Arbeitstitel. Unsere Städte sind gestaltet, vermessen und durchgeplant. Und doch entstehen genau dort die interessantesten Momente, wo etwas aus dem Raster fällt. Zwischen Wohnzimmer und Asphalt wächst Leben, das sich nur scheinbar kontrollieren oder verdrängen lässt.

Diese Serie richtet den Blick auf jene unscheinbaren Pflanzen, die im urbanen Raum fast unbeachtet existieren – und gerade dadurch eine besondere Kraft entfalten. Das Grün wird zum Symbol für Unangepasstheit, Hoffnung und die Schönheit des Ungeplanten im dominierenden Grau der Stadt. Keep fighting!

Yi Li (sie/ihr)

Artist Statement

Seit 2014 fotografiere ich Straßen. Im Jahr 2020 habe ich meine erste professionelle Kamera erhalten. Inspiriert von Biao Xiangs Konzept von »The Nearby« ist das Fotografieren von Straßen für mich eine Möglichkeit, mich mit lokalen Szenen zu verbinden.

Meine Fotos vereinen Aufnahmen von Tieren, Pflanzen, Straßen, gewöhnlichen Gegenständen und vagen, verschwommenen Menschen mit ihren Silhouetten. Meistens gibt es nur wenig natürliches Licht oder spannende Momente. Anstatt Bedeutung durch Erzählung oder ein klar zentriertes Motiv zu konstruieren, interessiert mich der gelebte Körper – das, was Maurice Merleau-Ponty als le corps propre beschreibt. Leben bedeutet, zu sehen und gesehen zu werden.

Arbeitsbedingungen

Abgesehen davon, dass ich alltägliche Momente auf der Straße fotografiere, würde ich auch sehr gerne Porträts machen, aber dafür habe ich kein professionelles Studio, sodass ich meine Fotos meist zu Hause oder in einem Café bearbeite. Porträts erfordern bessere Lichtverhältnisse, daher wäre es besser, wenn ich in einem professionellen Studio arbeiten könnte. Außerdem kenne ich hier kaum jemanden, der in einem ähnlichen fotografischen Stil arbeitet. Ich möchte von anderen Künstlern lernen, wie man Porträts macht, und wie ich meine Arbeiten besser bekannt machen kann. Eine Community könnte für mich sehr hilfreich und wertvoll sein!

Work-In-Progress

„As particles, strings and cubes“ lautet der Arbeitstitel.

Ich versuche, die Klarheit meiner Fotos zu bewahren, indem ich Elemente auf klare Formen wie Teilchen, Fäden oder Würfel reduziere, und gleichzeitig den authentischen Blick einzufangen, den ich in dem Moment gesehen habe, als ich auf den Auslöser drückte. Es mag sich ein wenig von den Eindrücken unterscheiden, die wir tagtäglich haben, aber es ist dennoch die Nachbarschaft, die dir und mir vertraut ist. In dieser Hinsicht empfinde ich meine Fotografie irgendwie als eine Art Skulptur: Ich wähle nicht einfach eine Szene aus, sondern decke vielmehr auf, was ich in meiner Umgebung sehen möchte.

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