Dokumentieren schützt
Jana Bauch (sie/-) lebt und arbeitet in Köln. Neben der selbstständigen Arbeit ist sie im Bereich der Fotografie und Bildsprachenkonzeption an der Universität zu Köln tätig. Ihr Masterstudium in Kommunikationsdesign hat sie an der Hochschule Düsseldorf absolviert. Während des Studiums arbeitete sie für die Bildredaktion einer Tageszeitung, bei der sie zuvor eine fotojournalistische Ausbildung abgeschlossen hat. Seit der Räumungen im Hambacher Forst fokussiert sich ihre Arbeit auf Protestbewegungen und sozialdokumentarische Fotografie. Während ihres Master-Studiums hat Sie die Klimagerechtigkeitsbewegung in Lützerath über rund zwei Jahre fotografisch und filmisch begleitet. Das Projekt ist im Rahmen der Dokumentarfotografie Förderpreise der Wüstenrot Stiftung in verschiedenen Museen ausgestellt worden. Mit ihrer Arbeit möchte sie aus queerer und femininer Perspektive Einblicke in diverse Lebensrealitäten geben, Zugänglichkeit schaffen und Stigmatisierung entgegenwirken.
"Hi, ich bin Jana. Ich arbeite fotodokumentarisch und habe mich in den letzten Jahren in meinen freien Projekten hauptsächlich mit aktivistischen Bewegungen befasst.
Mein erster Berührungspunkt mit aktivistischer Fotografie war über mein externes Praktikum bei der dpa, wo ich über mein journalistisches Volontariat gelandet bin. Ich war während der Räumungen im Hambacher Forst und habe dort Reportagen fotografiert. Ich war dann irgendwie so gecatcht und auch fasziniert von der Energie und von der Motivation der Aktivist*innen, dass ich dachte: Vielleicht will ich doch noch einen Master machen und dann könnte ich mich ja auf die Klimagerechtigkeitsbewegung fokussieren. Und kurz darauf ist die Besetzung in Lützerath entstanden. Ich habe immer wieder wochenweise mit dort gewohnt und konnte die Gruppe so echt gut kennenlernen und habe super viel aus der Zeit mitgenommen."
Auf der Sea-Watch war ich fünf Wochen insgesamt. Die Situation auf See war auf jeden Fall nicht einfach. Dazu kam auch noch die ganze ethische Ebene, was für mich in dem Moment echt schwierig war: Natürlich, du kannst in dem Moment die Leute um Konsens fragen. Aber dann ist gleichzeitig wieder nicht klar ... die Menschen befinden sich ja irgendwie in Abhängigkeit von der Sea-Watch…
Einerseits ist die Aufgabe der Sea-Watch die Dinge, die auf dem Mittelmeer passieren, zu dokumentieren, um einen Nachweis dafür zu haben, dass man irgendwie überhaupt politisch agieren kann. Und andererseits befinden sich die Menschen auf dem Boot in einer wirklich beschissenen Situation und du sollst sie dabei fotografieren. Ich habe mich echt komisch dabei gefühlt.
Was eine Fotografie bringt ist unter anderem Reichweite und Sichtbarkeit. Eben auch für die Menschen, die nicht mit vor Ort sind. Es ist hauptsächlich so, dass ich eben durch Emotionen in Bildern andere Menschen erreichen möchte und eben das, was anderen so nicht sichtbar ist, sichtbar machen möchte. Und so möchte ich supporten.
Gerade im Aktivismus ist es oft mit Polizei schwierig und dann ist eine Kamera auch irgendwie ein Schutz für die Leute.
Das ist das Kollektiv der S3Xworkers of Cologne. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, über Sexarbeit aufzuklären, aber auch zum Beispiel sich politisch für die eigenen Rechte einzusetzen. Und in dem Rahmen, um das auch ein bisschen sichtbarer zu machen, kam die Idee einen Foto Kalender zu machen und durch verschiedene Fotoshootings so ein bisschen Einblick in die Themenwelt zu geben."