Aslı Özçelik
STUDIO VISIT
Fotografie als autobiografische Praxis
Aslı Özçelik ist eine in Köln lebende Künstlerin, die Fotografie, Video, Sound, Textil und Installation nutzt, um intime Momente einzufangen und marginalisierte Stimmen zu stärken. Ihre Arbeiten sind autobiografisch geprägt und reflektieren ihre Erfahrungen und Sozialisation als Frau. Sie hat zwei Fotobücher im Eigensinn Verlag veröffentlicht und unter anderem im Kunstmuseum Ahlen, im Kunstmuseum Celle und im Rautenstrauch-Joest-Museum ausgestellt. 2024 schloss sie ihr Bachelorstudium der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste ab und begann dort ihr Masterstudium. Aslı wird derzeit in ihrer künstlerischen Laufbahn von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.
"Mein Name ist Aslı Özçelik, ich bin 29 Jahre alt und setze mich in meiner künstlerischen Praxis viel mit autobiografischen Themen auseinander. Der Ausgangspunkt davon ist ganz oft Fotografie. Wir sind hier gerade in meinem Wohnzimmer, wo ich quasi auch immer arbeite.
In dem Projekt „Sıhhatler Olsun“ geht es um meine Mutter und ihre Auswanderungsgeschichte. Es wurde letztes Jahr auch bei „Feelings & Photography“ während des Photoszene-Festivals ausgestellt. Es geht in der Arbeit viel um ihre Gefühle bezüglich der Auswanderung und darum, zu der Familie meines Vaters zu kommen und ihre Familie in der Türkei zu lassen. Das ganze Arbeiten an dem Projekt war einfach richtig schön. Ich glaube, weil ich meine Mutter noch mal ganz anders kennengelernt habe und wir in dem Zeitraum auch sehr fürsorglich miteinander umgegangen sind.
Das Projekt war dann, so wie jedes Projekt irgendwann zu Ende ist, auch beendet, und das war für mich richtig schwer. Ich glaube, dass es manchmal fast schwerer sein kann, so ein Projekt abzuschließen, als ein neues anzufangen, weil man es so lieben lernt und ja auch daran wächst.
Ich glaube schon, dass im Studium ganz oft, auch unterbewusst, einfach weil es ein Bewertungssystem ist, Studierende irgendwie merken: „Okay, was funktioniert gut und in welche Richtung wünschen sich andere, dass ich mich entwickeln soll?“ – und dem dann oft irgendwie folgen.
Das ist schon auch etwas, was mir passiert, und ich glaube, deswegen habe ich das so total auf dem Schirm oder beschäftige mich auch kopflich sehr damit. Weil ich sehr stark versuche, dass mir die Liebe zu diesem Medium nicht genommen wird.
In meiner aktuellsten Arbeit stricke ich gerade Bildausschnitte aus meinen Familienalben.
Für mich war dieser händische Prozess, dieser sehr langsame händische Prozess, sehr wichtig. Ich habe intuitiv einfach gemerkt, dass ich das brauche und erst im Nachhinein habe ich verstanden, dass das auch irgendwie so eine Klammer schließt, weil es gedanklich quasi bei den Händen meines Vaters anfängt und ich diese Arbeit dann mit meinen Händen fortsetze – in einem sehr langsamen, auch sehr körperlichen Prozess.
Ich habe jetzt seit Januar eine kleine Pause gemacht mit dem Stricken, aber ich glaube, nächsten Monat fange ich wieder an. Und ich bin gespannt darauf, welche Motive als Nächstes kommen.
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Köln bietet durch seine Museums-, Galerie- und Kunstraumlandschaft ein weites Feld der Fotografie. Natürlich gibt es hier auch eine entsprechend große und vielfältige Künstler:innenszene, die mit dem Medium arbeitet und experimentiert. In unserer neuen Rubrik der Studio Visits möchten wir Euch künstlerische Positionen vorstellen und Euch mitnehmen an die Produktions- und Denkräume der Kunst. Viel Spaß!